[E-Books] Bitte bleib im Kopf!

Wenn ich ein Buch aus dem Regal ziehe, ist es meistens so, dass mir direkt einfällt, worum es geht, meine Lieblingsszene, Lieblingsfiguren, wo ich es gelesen habe, was ich dabei gefühlt habe etc. etc. Es regnet sozusagen gesammelte Eindrücke auf mich  nieder.

Da ist das Buch, das ich mal in Cola gebadet habe. Jenes habe ich in den Ferien gelesen. Dieses habe ich vom Hexenmeister geschenkt bekommen. Das da habe ich für eine Leserunde gelesen, zu erkennen an den bunten Zettelchen. Jenes da habe ich im Zug gelesen und der Kontrolleur hat mich genervt. Das dort riecht so toll.

Das alles fällt beim E-Book weg. Ich habe meinen alten Sony Reader mit den Stickern, egal, welches Buch ich lese. Egal, wo ich lese. Und während ich das Gefühl habe, dass Papier Stimmungen, Gerüche, Gefühle aufsagt, so scheint alles an der Plastikhülle des Readers abzuprallen.

Deshalb erstaunt es mich auch nicht, als ich festgestellt habe, dass ich mich praktisch nicht an die Inhalte von E-Books erinnern kann. Es fehlt an Eindrücken, die über die Fingerspitzen ans Hirn weitergeleitet werden. Deshalb kann das Hirn auch nichts abrufen. Ich weiss noch, dass "Wer hat Angst vor Jasper Jones" zu  meinen Lieblingsbüchern gehört. Aber wirklich erinnern kann ich mich nur noch an ein paar vereinzelte Szenen. Auch bei "Kafka am Strand" erinnere ich mich an fast nichts, obwohl es ein Murakami ist.

Leider musste ich diese Woche entsetzt feststellen, dass mir der Platz ausgeht. Würde ich alleine wohnen, wäre das kein Problem. Dann schieb ich halt etwas rum, ein Bücherregal hat schon noch Platz irgendwo. Aber da ich nun mit dem Hexenmeister zusammenwohne und das so auch gut finde, muss ich mich mit meinen drei Regalen abfinden. Und dort neigt sich der Platz dem Ende zu...

Logische Schlussfolgerung: Ich muss vermehrt auf E-Books umsteigen. Blöd, irgendwie. Weil ich mich dann wohl an keine Bücher mehr erinnern werde. Was? Dieses Buch habe ich gelesen? Wann?! Gut, kann ich Bücher öfter lesen, aber blöd finde ich da trotzdem. Wie bei Jasper Jones - es ist ein supertolles Buch! Wieso? Weiss ich nicht mehr...

Also muss eine Lösung her!

Etwas, das man in die Hand nehmen kann. Etwas, womit ich Erinnerungen wach rufen kann. Etwas, zum Durchblättern. Wenn ich mich kreativ mit dem Inhalt befasse, bleibt er länger. Es soll keine Inhaltswiedergabe sein, denn dafür habe ich meinen Bücherblog. Aber was dann?

Darf ich vorstellen - der Prototyp  meines "E-Book-Ablagesystems":

 

Vorne kommt, wie bei einem Papierbuch, das Cover hin. Je nachdem kaufe ich mir vielleicht irgendwann farbige Kärtchen. Wie gesagt, das hier ist nur der Prototyp und alles befindet sich noch im Aufbau.

 

 Auf der Hinterseite wird dann etwas gebastelt und Infos niedergeschrieben. Ich habe mich momentan für wann, wo, warum und Gefühle entschieden. Denn das sind genau die Punkte, die ich mit Papierbüchern verbinde. Bei einigen weiss ich genau, dass ich sie im Sommer auf der Terrasse gelesen habe. Bei manchen, dass ich z.B. in London war. Manche habe ich gelsen, weil ich einen Punkt für eine Challenge erfüllen musste. Und natürlich die Gefühle, die diese Geschichte in mir ausgelöst hat, denn ich identifiziere mich stark mit Gefühlen (ja, ich bin sehr gefühlsbetont :).

Je nachdem könnte man die Kärtchen noch laminieren, damit sie länger halten. Ideen über Ideen. Die kommen nämlich meistens, wenn man mal anfängt, etwas zu machen. Und ich hoffe, dass die E-Books mir so länger und besser im Kopf bleiben.

Geht es euch auch so ähnlich? Behaltet ihr E-Books besser oder schlechter im Kopf als Papierbücher? Und wie geht ihr damit um?

Kommentare

  1. Hallo Jari,

    das ist ja ein interessantes Phänomen! Bei mir macht es keinen Unterschied ob eBook oder Printausgabe, ich erinnere mich an beides. Mein Gedächtnis hat nur nachgelassen, was die Autoren angeht. Früher habe ich mir jeden Autor passend zum Titel gemerkt, mittlerweile muss ich häufig nachschauen. Ich werde halt auch nicht jünger und das hat sicher nichts mit den eBooks zutun.

    Jedenfalls, mit eBooks bin ich schneller durch. Das liegt aber sicher nicht an der Lesegeschwindigkeit, sondern den Reader habe ich einfach rascher zur Hand, wenn ich mich in die Straßenbahn setze oder irgendwo kurz warten muss. Einen dicken Schmöker hervorzukramen zahlt sich im Gegensatz dazu weiter nicht aus.

    Auf jeden Fall hast du ja schon eine gute Idee, wie du mit deiner Reader-Demenz umgehen wirst. Finde ich sehr kreativ!

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Hallo Nicole,

      Danke für deinen lieben Kommentar :)

      Toll, dass es für dich keinen Unterschied macht und du sogar schneller liest. Das habe ich jedoch auch das Gefühl. Vor allem ist es praktisch, dass man beim Reader die Schriftgrösse ändern kann. Meine Augen strengen sich dadurch weniger an, weswegen ich schneller und länger lesen kann :)

      Mit den Autoren habe ich weniger Probleme, dafür aber mit den Namen von Figuren. Die verschwinden teilweise sehr schnell aus meinem Gedächtnis. Wobei ich im Allgemeinen ein schlechtes Namensgedächtnis habe *hust*

      Ich hoffe mal, dass diese Kärtchen mir helfen, den Inhalt der E-Books besser zu behalten.

      Viele Grüsse
      Jari

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