[Rezension] Victor Hugo - Die Elenden

Inhalt:

Jean Valjean hat gerade 19 Jahre Sträglingslager hinter sich, weil er für seine Familie ein Stück Brot gekauft hat. Er erwartet nichts mehr vom Leben, doch die Begegnung mit Herrn Myriel ändert sich Valjeans Leben. Er beginnt, Gutes zu tun und den Armen zu helfen, wo er nur kann. Als er der kranken Fantine verspricht, ihre Tochter Cosette zu ihr zu bringen, nimmt Valjeans Leben erneut eine Wendung. Er verliert alles, was er aufgebaut hat, doch das Versprechen, sich um Cosette zu kümmern, hält ihn am Leben und er setzt alles daran, das kleine Mädchen aus den Klauen der gierigen Familie Thénardier zu befreien...

Meine Meinung:

Es ist gar nicht so einfach, ein Buch mit über 1300 Seiten kurz zusammenzufassen. Und dabei handelt es sich bei dieser Ausgabe sogar noch um eine um ca. 400 Seiten gekürzte Ausgabe. Somit ist "Die Elenden" definitiv ein Monumentalwerk.

Hugo erzählt wie gewohnt sehr ausführlich, erläutert alle Hintergründe und nimmt sich Zeit für die Geschichte. Sehr viel Zeit sogar. Dadurch erhält der geduldige Leser einen umfangreichen Einblick ins französische Leben des 19. Jahrhunderts.

Alle Protagonisten haben gemein, dass ihnen das Leben mehr oder weniger übel mitgespielt hat. Manche bewahren sich trotzdem das Gute, viele aber verschliessen ihre Seele und sind nur noch auf ihren eigenen Vorteil aus. Mit einigen Figuren hat man schreckliches Mitleid (mit Fantine zum Beispiel), andere möchte man am liebsten schlagen (die Thénardier in meinem Falle).

Doch Hugo hält sich vor zu werten. Er beschreibt nur, was er zu sehen bekommt, beschreibt die Lebenswege der Charaktere und wie sie zu dem wurden, was sie sind. Vieles kann man heute kann man heute gar nicht mehr nachvollziehen, aber es gibt auch ein paar Dinge, die sich in den letzten Jahren kaum verändert haben.

Mit "Die Elenden" legt uns Hugo eine akribische Studie des menschlichen Handelns, Denkens und Lebens vor, ein Buch, das seinesgleichen sucht. Der Autor hat sich engagiert, ging mit offenen Augen an sein Werk heran und hat sich mit den sozialen und politischen Fragen seiner Zeit auseinandergesetzt.

Da Politik nicht nur zeitlich begrenzt ist, sondern eine Handlung immer ein Ergebnis nach sich zieht, ist dieses Buch somit ein noch immer überaus wichtiges Werk, das uns unsere Verhaltensweisen und Denkarten vor Augen führt. Natürlich ist es somit ganz klar, dass sich "Die Elenden" seinen Rang im Klassikerkanon durchaus verdient hat.

Hugo schreibt klar und konzentriert, weckt Gefühle im Leser und zeichnet sehr starke Bilder. Doch trotz des Elends, das hier aufgezeigt wird, hebt der Autor auch immer wieder die schönen Seiten des Lebens hervor. Als Valjean Cosette eine Puppe schenkt, zum Beispiel. Eine kleine Handlung, die jedoch so viel bewirkt hat. Auch der Witz und der Schalk lugt oft zwischen den Zeilen hervor und heitert den Leser auf.

Ich bin froh, dass ich es endlich geschafft habe, dieses wichtige Buch zu lesen. Vielleicht werden die einzelnen Handlungsstränge, von denen es durchaus viele gibt, bald wieder in Vergessenheit geraten, aber die Schilderungen und Bilder werden definitiv bleiben, denn sie haben Spuren hinterlassen.

Fazit:

Ein Buch, dessen Inhalt man nicht unterschätzen sollte. Eines, für das man sich Zeit nehmen sollte, um seine Tragweite zu begreifen. Aber auch eine gut erzählte Geschichte mit Figuren, die zu Freunden oder Feinden werden.


Victor Hugo
Die Elenden
HC, 6. Auflage 1993
Manesse

3-7175-8006-x

Aus dem Französischen von Hugo Meier

Kommentare

  1. Hallo Jari,

    wirklich sehr schön rezensiert und ich muss dir zustimmen, dass es sicherlich ein wichtiger Klassiker ist. Mir war's allerdings zu detailliert, zu erschöpfend und viel zu deprimierend. Trotzdem bin ich ebenfalls froh, dass ich es gelesen habe.

    Liebe Grüße,
    Nicole

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Nicole,

      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar :)
      Hugo ist wirklich sehr detailverliebt, mir war es oft auch schon zu viel. Deprimierend... ja, das wohl auch, aber ich nenne es lieber "realitätsnah" oder so ähnlich.
      Aber gelesen ist gelesen, nicht wahr? ;)

      Liebe Grüsse,
      Jari

      Löschen
  2. Du bist immerhin schon durch! Ich hänge immer noch relativ nahe am Anfang und alle anderen Bücher reizen mich umso mehr. *seufz* Irgendwann werde ich es auch beenden - ganz bestimmt!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich kann mir gut vorstellen, dass es eher schwer ist, dieses Buch zu beenden. Vor allem, wenn man im Allgemeinen weniger Lust aufs Lesen hat. Ich bin auch froh, es durch zu haben. Irgendwann wirst auch du es beenden :)

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

[Challenge] Back to the Classics 2018

[Rezension] Robert Menasse - Die Hauptstadt