[Rezension] J.D. Salinger - Der Fänger im Roggen

Rückentext:
Der sechzehnjährige durch New York irrende Holden Caulfield ist zu einer Kultfigur ganzer Generationen geworden. "Der Fänger im Roggen" war J. D. Salingers erster Roman, mit dem er weltweit berühmt wurde. Allein im Rowohlt Taschenbuch wurden anderthalb Millionen Exemplare verkauft. Amazon

Meine Meinung:
"Der Fänger im Rogger" gehört zu jenen Titeln, die man entweder mag oder nicht. Manche finden es toll, die meisten beklagen sich darüber, dass nichts passiert. Zu welcher Gruppe gehöre ich? Na, findet ihr's raus?

Holden Caulfield erzählt uns von seinen Erlebnissen, ein paar Tage vor Weihnachten. Er ist mal wieder aus einer Schule geflogen und weiss nicht so recht, was er mit sich anfangen soll. Ja, es stimmt, es passiert eigentlich nichts. Nur das ganz normale Leben eines Teenagers. Interessant fand ich, dass dieses Buch zeitlos scheint: Holden könnte anstatt in den 50ern genauso gut in den 90ern leben und praktisch ähnliche Dinge erleben.

Mir persönlich hat das Buch sehr zugesagt. Es zeigt die Verwirrungen des Erwachsenwerdens, die auch heute noch so durchlebt werden. Eigentlich ist Holden eine traurige Figur, er weiss nicht, was er mit seinem Leben anfangen will und lässt sich einfach treiben. Auch scheint er auf mich sehr einsam zu sein, nur seine kleine Schwester ist ein Fixpunkt in seinem Leben. 

Dennoch musste ich während des Lesens oft schmunzeln. Sei es nun wegen Holdens ständiger Übertreibungen oder seinen Überlegungen (z.B. was machen die Enten im Winter?). Durch diese lustigen Szenen wird das Ganze zu einer Tragikkomödie, denn Holdens Entwurzelung ist überhaupt nicht lustig und zeigt sich in vielerlei Hinsicht (so macht es ihm nichts aus, blutüberströmt herumzulaufen).

Jedoch finde ich, sollte "Der Fänger im Roggen" nicht zu früh gelesen werden. Man sollte einen gewissen Abstand zur Pubertät haben, um die ganzen Erlebnisse reflektieren zu können. Ja, ich konnte mich mit Holden richtig gut identifizieren, weil es mir oft ähnlich ging bzw. manchmal immer noch geht. Aber wenn man mittendrin steckt, dann kann einem ein solches Buch tatsächlich rasch anöden. Was bringt es einem, mit Dingen belästigt zu werden, mit denen man sich selbst tagtäglich auseinandersetzen muss? Manchmal ist es hilfreich, aber dieses Buch sehe ich wirklich nicht als Jugendbuch und würde es auch keinem in diesem Alter zu lesen geben. 

Salinger gelingt es, Holden extrem gut zu porträtieren und gleichzeitig auch authentisch zu bleiben. Oft hatte ich das Gefühl, dass der Junge wirklich neben mir sitzen und mir seine Erlebnisse berichten würde. Eine greifbare Geschichte direkt aus dem Alltag mit wundervollen, starken Bildern gezeichnet. 

Mich wird Holden bestimmt nicht mehr so leicht loslassen.


J.D. Salinger
Der Fänger im Roggen
HC, 5. Auflage 2010
Kiepenheur & Witsch

978-3-462-03218-5

Aus dem Englischen von Eike Schönfeld
Originalausgabe: The Catcher in the Rye
1945

Kommentare

  1. Hallo Jari,

    schön, dass es dir gefallen hat. Mir war es einfach zu "piefig" und hat mich überhaupt nicht gepackt. Aber vielleicht ist bei mir die Pubertät schon zu lange her?

    Liebe Grüße,
    Nicole

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Halli Nicole,

      ich kann es durchaus nachvollziehen, wenn Leute das Buch nicht mögen. Oder es ist so, wie du sagst ;)

      Viele Grüsse,
      Jari

      Löschen
  2. Ich werde ihn sicher auch noch lesen, ich bin sehr gespannt, wie er mir dann gefallen wird. Deine Schilderungen finde ich sehr interessant, könnte mir durchaus vorstellen, dass ich ihn mag. Ich brauche nicht unbedingt immer viel Handlung und Action in einem Buch, da könnte es durchaus etwas für mich sein :-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das klingt vielversprechend! Ich hoffe sehr, dass dir das Buch gefallen wird, solltest du dazu kommen, es zu lesen :)

      Löschen
  3. Hallo Jari,
    mir hat das Buch unheimlich gut gefallen und ich finde eigentlich schon, dass man es einem 16 Jährigen geben könnte. Es ist manchmal nämlich sehr hilfreich zu wissen, dass man mit seinen Problemen nicht allein ist und jemanden zu haben, mit dem man sich identifizieren kann. Ich finde wohl, dass in dem Buch sehr viel passiert. Die Geschichte finde ich sehr berührend und Holdens Gedankengänge sehr spannend und interessant.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Metropolenherz,

      Vielen Dank für deinen Kommentar!
      Stimmt natürlich - wenn die Person daran interessiert ist und bereit, das Buch zu lesen, kann man es natürlich auch einem 16-Jährigen geben. Mir haben Holdens Gedankengänge ebenfalls gut gefallen und fand sie auch sehr eindrücklich.

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

[Challenge] Back to the Classics 2018

[Rezension] Robert Menasse - Die Hauptstadt