[Rezension] Adam Johnson - Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

Rückentext:
Pak Jun Do hat noch nie einen Film gesehen, kaum je ein Werbeplakat, er findet es merkwürdig, dass woanders Leute Tiere im Haus halten, und wundert sich über Maschinen, die Geld auswerfen. Er kennt keine Ironie, keine Kunst, keine Mode und keine Magazine. Aufgewachsen im nordkoreanischen Waisenhaus Frohe Zukunft, ist er ein winziges Rädchen im großen Getriebe der absurd-grausamen Herrschaft des »Geliebten Führers« Kim Jong Il. Schon ein falsches Wort kann jeden sofort ins Lager bringen.

Doch mit der Zeit beginnt Jun Do an etwas zu glauben, was stärker ist als Staatstreue: Freundschaft und Liebe. Als er die Schauspielerin Sun Moon trifft, lernt er das bedingungslose Vertrauen in einen anderen Menschen kennen. Und nur dafür lohnt es sich zu überleben. Amazon

Meine Meinung:
Dieses Buch wollte ich von Beginn an lesen, da mich Nordkorea irgendwie fasziniert. Ausserdem hatte ich einige gute Rezensionen darüber gelesen. Doch schlussendlich hatte ich fast ein Jahr, um das Buch zu beenden. Woran lag das?

Den ersten Teil, in dem Jun Do auf einem Boot arbeitet und Funksprüche abhört, fand ich sehr eindrücklich. Auch die Reise in die USA zeigt sehr gut auf, wie Politik funktioniert und wie sich Länder gegenseitig imponieren wollen. Wie gesagt, bis dahin gefiel mir das Buch recht gut und ich las mit grossem Interesse vom harten Leben in Nordkorea.

Doch mehr und mehr las ich aus anderen Rezensionen (von Bloggern, Amazon über grosse Feuilletons) heraus, dass Adam Johnson gerade mal einmal unter den typisch strengen Auflagen in Nordkorea war. Auch hat der Autor weder in enger Beziehung mit einem asiatischen Land gearbeitet, noch etwas in die  Richtung studiert.

Laut vielen Besprechungen ist dieses Buch satirisch zu verstehen. Davon habe ich leider nichts mitbekommen. Viel eher kam mir "Das geraubte Leben des Waisen Jun Do" vor wie 1A-Propaganda: Amerika gut, Nordkorea böse. Ende.

Ich finde es sehr schade, dass Johnson sich nicht die Mühe gemacht hat, sich wirklich differenziert mit Nordkorea auseinanderzusetzen, anstatt nur das nachzubrabbeln, was andere bereits vor ihm zum Besten gegeben haben. Wer sich also wirklich für Nordkorea interessiert, steht mit Werken wie z.B. "Pjöngjang" von Guy Delisle besser da. In genannter Graphic Novel wird auf die typische Schwarz-Weiss-Sicht verzichtet, während Johnson sie hier fast bis zur Spitze treibt.

Jedoch gab es dazwischen immer wieder Szenen, die sehr spannend zu lesen waren. In diesen stand jedoch Jun Do als Figur im Mittelpunk, sein Handeln, sein Denken. Seine Aufopferung für seine grosse Liebe - eine zwar etwas übertriebene Darstellung, aber dennoch passt es irgendwie zu Jun Do.

"Das geraubte Leben des Waisen Jun Do" ist in zwei Teile aufgeteilt, wobei es ab dem zweiten Part einige Perspektivwechsel gibt. Liest man jedoch aufmerksam und achtet auf die unterschiedlichen Personenbezeichnungen, dann verliert man auch nicht so schnell den Überblick.

Unterdessen bin ich froh, das Buch durchzuhaben. Es lässt mich eher enttäuscht zurück und wirklich viel Neues habe ich auch nicht erfahren. Ausser, dass Amerika das gelobte Land ist. Aber vielleicht liegt es auch an mir, dass ich Johnsons eigentliche Absichten mit diesem Roman, der übrigens auch den Pulitzer-Preis gewonnen hat, nicht begriffen habe.


Adam Johnson
Das geraubte Leben des Waisen Jun Do
E-Book, 2013
Suhrkamp

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