[Rezension] Arne Beitmann - Familientreffen

Rückentext:
Anna, 21 Jahre, Jurastudentin aus München, will ein ruhiges Wochenende bei ihrer Familie verbringen. Das Elternhaus liegt idyllisch am Jabelschen See, weit abgelegen vom nächsten Dorf und jeglicher Zivilisation.
Doch anstatt Ruhe erwartet Anna der blanke Terror.
Besuch ist vorbeigekommen, mit ganz eigenen Plänen für das Wochenende. Schon bald muss Anna eine wichtige Entscheidung treffen.
Ob sie will oder nicht Amazon

Meine Meinung:
Als ich eines Tages auf Lovelybooks eine Nachricht von Arne Beitmann erhielt, in welchen der Autor auf die Leserunde zu seinem Horror-Buch "Familientreffen" aufmerksam machte, zögerte ich nicht lange und meldete mich zu meiner ersten Leserunde auf Lovelybooks an. Home Invasion, Horror und ganz viel Blut - das zumindest versprach der Autor. Und warnte zartbesaitete Gemüter davor, dass diese Themen auch Programm seien.

Wie kann ich da widerstehen?
Eben. Gar nicht.

Dennoch hatte ich auch ein wenig die Befürchtung, dass das Ganze etwas übertrieben dargestellt sein könnte und es schlussendlich vielleicht gar nicht so blutig und brutal ist, wie ich es mir erwartet hätte. Aber zum Glück hat Beitmann nicht zu viel versprochen und nach dem Einstieg, in welchem wir die Familie und die Täter gleichermassen kennenlernen, geht es so richtig schön zur Sache.

Was Beitmann dem geneigten Leser bietet, das ist ein "ab 18"-Horrorfilm in Buchformat. Anfangs gibt sich die Geschichte zwar eher ruhig, aber das ist so gewollt. Der Autor nimmt sich Zeit für seine Figuren und arbeitet sie sehr detailliert aus. Das gilt auch für die Gruppe, die in Annas Heim eindringt. Da "die Bösen" hier auch zu Wort kommen, eine Geschichte haben und ihre Gedanken mit uns teilen, verschiebt sich jedoch die in Horrorfilmen typische Aufteilung in Gut und Böse und Jäger und Gejagte. Diese Dynamik, dieses Heraustrennen des Standards finde ich grossartig.

Natürlich gibt es einige Punkte, die man als geübter Horrorfilm-Schauer von Beginn an einordnen kann, aber der ganze Rest ist ein blutrotes Überraschungs-Ei. Sehr schön auch die anatomischen Beschreibungen von an Sehnen hängenden Fingern, herausquellenden Hirnmassen und auf dem Flur drapierten Eingeweiden.

Deshalb auch mein Hinweis an alle Interessierten: hinterfragt euch, ob ihr so etwas wirklich lesen wollt. Es ist eines, Filmblut herumspritzen zu sehen, aber etwas ganz anderes, wenn man sich alle Details im eigenen Kopf vorstellt. Wer Mühe mit roher Gewalt hat, vor allem mit Gewalt, die in dieser Form tatsächlich jederzeit jedem passieren könnte, der sollte lieber etwas anderes lesen. Ansonsten: der Autor hat gewarnt und ich tue es ihm gleich. Das Buch ist brutal, blutig und schonungslos.

Mag ich das?
Und wie!

Vor allem, als es dann so richtig losging mit dem Schlachten. Beitmann hat ein paar geniale Ideen auf Lager und obwohl es vielleicht unangepasst ist, brachte "Familientreffen" mich öfter mal zum  Lachen. Das sind zum Beispiel einige passende Umschreibungen, die wirklich äusserst kreativ sind, und auch meine Lieblingsszene gegen Ende hin.

Trotz all des Verstümmelns hat das Buch aber auch eine tiefergehende Note. Wie bereits oben geschrieben, hat sich Beitmann stark mit seinen Charakteren auseinandergesetzt und so bekommen wir eigentlich live mit, wie sich Personen in solchen Ausnahmesituationen einerseits verhalten, andererseits komplett verändern können. Oder dass man auch an Tätern ein paar sympathische Noten finden kann.

Für mich war "Familientreffen" eine kurzweilige Lektüre, von der ich kaum genug kriegen konnte. Die Spannung ist gekonnt aufgebaut und mündet in einen explosiven Höhepunkt, den ich wohl so schnell nicht mehr aus dem Kopf bekommen werde.

Ich habe bekommen, was ich erwartet habe, und sogar noch mehr. Grossartig!
Deswegen bin ich auch gespannt, womit uns Arne Beitmann als nächstes überraschen wird.


Arne Beimann
Familientreffen
Ebook, 2016
CreateSpace

978-1-54139082-9

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

[Rezension] Myke Cole - Kontrollpunkt

[Rezension] Jonas Lüscher - Kraft

[Sonstiges] Noch einmal Hong Kong oder: Mein erstes Fotobuch