[Rezension] George Orwell - 1984

Rückentext:
Winston Smith toes the Party line, rewriting history to satisfy the demands of the Ministry of Truth. With each lie he writes, Winston grows to hate the Party that seeks power for its own sake and persecutes those who dare to commit thoughtcrimes. But as he starts to think for himself, Winston can’t escape the fact that Big Brother is always watching...

A startling and haunting vision of the world, 1984 is so powerful that it is completely convincing from start to finish. No one can deny the influence of this novel, its hold on the imaginations of multiple generations of readers, or the resiliency of its admonitions—a legacy that seems only to grow with the passage of time.

Meine Meinung:
Ein Klassiker, der mir in meinem Leben immer wieder begegnet ist und schon seit Jahren eine grosse Faszination auf mich ausübt. Warum ich so lange mit dem Lesen von "1984" gewartet habe? Ich weiss es nicht. Einerseits hat es sich nie ergeben, andererseits wusste ich, dass dieses Buch wahrscheinlich starken Eindruck auf mich machen wird. Das tat es dann auch - ich habe sogar davon geträumt!

Ich habe das Buch in zwei Ausgaben gelesen, einmal auf Deutsch und einmal auf Englisch. Das lag vor allem daran, dass ich es natürlich im Original lesen wollte, mir aber nicht zutraute, genug zu verstehen. Also wechselte ich über längere Strecken hin und her, blieb dann aber doch beim Original hängen. Orwells Sprache ist viel melodiöser, tiefer und beeindruckender als die Übersetzung. Ich wurde noch  mehr in diese bedrohliche Welt hineingezogen, fühlte mich sogar beim Lesen beobachtet.

Erschreckend ist Orwells Präzision, wie er bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg eine Entwicklung vorhergesehen hat, die zwar in den 80ern noch nicht so weit war, aber unterdessen sehr fortgeschritten ist. Man kann nicht entkommen, auch Winston wird das über kurz oder lang einsehen müssen. Unsere Gesellschaft ist diesbezüglich noch immer extrem blauäugig und erst vor ein paar Monaten hat die Schweiz dem Schweizerischen Geheimdienst mehr Macht erlaubt, als es die amerikanischen (!) Dienste haben.

Je länger ich mich  mit dem Buch beschäftige, desto mehr läuft es mir kalt den Rücken runter. Nicht weil die Geschichte so intensiv war (was sie natürlich ist), sondern wegen ihrer Aktualität. Schon heute wird in den Zeitungen und Zeitschriften gelogen wie gedruckt - wie weit ist es da noch hin zu einem Büro wie Winstons? Der den ganzen Tag Fakten verändert, damit sie auch ja passen?

„Wer die Macht über die Geschichte hat, hat auch Macht über Gegenwart und Zukunft.“

Viele mögen denken, dass ich wohl überreagiere, aber ich beobachte die Entwicklungen in unserer Welt und oft gefällt mir nicht, was ich sehe. Doch was tue ich? Oft fühle ich mich wie Winston anfangs - es gefällt mir nicht, aber was kann ich allein schon tun? Im Buch setzt Winston die Hoffnung in die Proles, aber wir werden nie erfahren, ob sich diese Hoffnung erfüllt hat/erfüllen wird.

"1984" ist ein Werk, das vermag, Augen zu öffnen, das die Wahrheit spricht, wenn man nur hinhört und hinsieht. Ebenfalls bin ich gespannt, wie das Leben in zehn oder zwanzig Jahren sein wird, wenn ich das Buch vielleicht wieder in Hand nehme und es noch einmal lesen werde. Vielleicht nehme ich dann diese Rezension hervor (falls es sie dann noch geben wird) und vergleiche diese Leben miteinander...


George Orwell
1984
TB, 2008
Pearson

978-0-141-03614-4

Kommentare

  1. Ehrlich gesagt sagt musste ich (und jede Menge anderer Internet-Nutzer auch ^^) vor allem bei den aktuellen Entwicklungen in den USA auch wieder an 1984 denken. Wenn es zB um die Gerüchte geht, bestimmte wissenschaftliche Einrichtungen dürften ihre Daten zum Thema Klimawandel nicht mehr veröffentlichen, muss man doch gleich an "Unwissenheit ist Stärke" denken. Und die Behauptung alles, was einem nicht passt, sei "Fake News" ist vielleicht tatsächlich gar nicht mehr sooo weit entfernt von der komplett konstruierten und auf keinerlei Fakten basierenden Realität, die Winston in seinem Job kreieren muss.
    Du bist also nicht die einzige, die sich beim Gedanken an dieses Buch mittlerweile etwas unwohl fühlt. Orwell war definitiv ein Genie, aber man wünscht sich doch irgendwie, seine Ideen wären Fantasie geblieben...

    Liebe Grüße

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    1. Da muss ich dir in jedem Punkt Recht geben - leider... Der orwellsche Begriff "alternative Fakten" erlebt nun ein Revival und spukt überall durch die Medien. Allzu weit sind wir von dieser Realität nicht mehr entfernt und irgendwie freue ich mich für Orwell, dass er das nicht mehr miterleben muss...

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  2. Das habe ich mir letzten Monat gekauft. Wird dann im Sommer auf meinen SUB übernommen und auch gleich gelesen!
    Ich freue mich schon tierisch drauf, nachdem ich mit Freunden Animal Farm gelesen habe.

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    1. Viel Spass damit, wenn man das so sagen darf. "1984" hat mir auf jeden Fall besser gefallen als die Farm, die aber natürlich auch sehr gut ist :)

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