[Rezension] Katherine Applegate - Der unvergleichliche Ivan

Rückentext:
Ivan, ein Silberrücken-Gorilla, lebt in einer heruntergekommenen Zirkus-Mall. Sein Leben im Dschungel vermisst er kaum. Stattdessen denkt er an seine Freunde: die alte Elefantendame Stella, den herrenlosen Hund Bob und Julia, die kleine Tochter des Tierpflegers. Ivans großes Hobby ist die Kunst: Er überlegt, wie er den Geschmack einer Mango oder das Rauschen der Blätter in Farben und Linien festhalten kann … Doch als mit Ruby, dem Elefantenbaby, eine neue Attraktion in die Mall kommt, wird Ivan aus seiner Lethargie gerissen. Und schließlich liegt es an ihm, durch seine Kunst für seine Freunde und sich alles zum Besseren zu wenden.

Meine Meinung:
Dieses Buch las ich für die Modern Mrs. Darcy Reading Challenge. Ich hatte mir die Liste mit Preisträger des Newbery Awards durchgesehen und fand den Titel äusserst spannend. Als ich das Buch dann von meiner Bibliothekarin in die Hände gedrückt bekam und das Cover sah, fiel mir nur ein Wort ein: "Jöh!"

Leider ist der Inhalt des Buches weitaus weniger niedlich als das Cover anmuten lässt. Vor allem, wenn man dann herausfindet, dass die Geschichte auf einer wahren Begebenheit basiert und sich hinterher Videos von Ivan auf Youtube ansieht. Wurde mir schon beim Lesen das Herz schwer, so haben mir die Videos und Berichte ganz das Herz gebrochen.

Applegate erzählt die Geschichte von Ivan in ganz kurzen Kapiteln, die oft nicht einmal eine halbe Seite lang sind. Aber genau darum sind sie so eindrücklich. Ivan erzählt aus der Ich-Perspektive, sodass wir direkt mitbekommen, wie es ihm ergeht und was ihn dazu beflügelt, der kleinen Ruby zu helfen.

"Der unvergleichliche Ivan" ist als Kinderbuch konzipiert und führt die jungen Leser an ein sehr ernstes Thema heran: Tierschutz bzw. Tierethik. Da es teilweise sehr real wird in Bezug auf diese Bereiche, empfehle ich jedoch, dass das Buch im Beisein eines Erwachsenen gelesen wird, damit allfällige Fragen sofort erklärt werden können.

Eigentlich störte mich nur, dass der Zoo als ultimative Lösung aller Probleme gilt. Auch wenn Ivan irgendwann eingestehen muss, dass ein Heim umgeben von Mauern noch immer kein richtiges Heim ist. Zum Glück ist der Zoo, der hier beschrieben wird, (natürlich) einer jener Zoos, die man vertreten kann. Wenn man aber von der Profitgier vieler Institutionen hört, die Babys züchten, um Zuschauer anzulocken, nur um die Kleinen ein paar Monate später einschläfern zu lassen, dann wird mir übel.

Trotzdem leistet Applegates Buch einen wichtigen Beitrag zum Verstädnis, dass Tiere keine Maschinen sind, sondern fühlende Wesen, die ebenfalls ein Recht auf ein schönes Leben haben. Dass Tiere nicht einfach nur dazu da sind, um den Menschen zu bespassen. Deshalb hoffe ich, dass dieses Buch viele Leser finden wird und Kindern, wie auch Erwachsenen vor Augen führt, dass Tiere unsere Mitgeschöpfe sind.


Katherine Applegate
Der unvergleichliche Ivan
HC, 2014
Knesebeck

978-3-86873-694-6

Mit Illustrationen von Patricia Castelao

Aus dem Amerikanischen von Ingrid Ickler
Originalausgabe: The one and only Ivan
HarperCollins, New York 2012

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

[Rezension] Georgi Gospodinov - 8 Minuten und 19 Sekunden

[Sonstiges] Noch einmal Hong Kong oder: Mein erstes Fotobuch

[Rezension] Rico Forwerk - Amurante: Der Wald