[Rezension] Hans Blumenberg - Schriften zur Literatur

Rückentext:
In Rezensionen, Reden und Vorträgen erkundet er die zumeist zeitgenössische deutschsprachige und internationale Literatur, schreibt aber auch über die damals neue Mode der Taschenbücher, Ratgeber und Comics. Seine subtilen Lektüren verfolgen oft Randgänge zwischen Literatur und Philosophie und thematisieren existenzielle Fragen. Es sind Texte von zeitloser Brillanz, die zugleich die Nachkriegszeit wie in einem Vergrößerungsglas sichtbar werden lassen.

Meine Meinung:
Vor diesem Buch hatte ich keine Ahnung, wer Hans Blumenberg war. Ich entdeckte das Buch in einer Vorschau und irgendwie schrie alles in mir, dass ich die Rezensionen dieses unbekannten Menschen lesen soll. Als die Sammlung dann erschienen war und sie in der Hand hielt, schrie das Buch weiter "Lies mich, lies mich!". Natürlich wehrte ich mich nicht dagegen.

Blumenberg faszinierte mich sofort. Als studierter Philosoph bedient er sich einer Sprache, die sich ganz anders liest, sich anders anfühlt, als jene, die ich täglich gebrauche. Viele Ausdrücke musste ich nachschlagen und ich gebe offen zu, dass ich längst nicht alles gelesene begriffen habe.

Aber genau das macht einen Grossteil der Faszination aus. Blumenbergs Verstand ist glasklar und ebenso scharf. Er sieht Dinge, die für Menschen wie mich unsichtbar bleiben. Was für ein Blick für auf die Welt! Welch tiefes Verständnis für die Literatur! Nachdem ich einige der Texte Blumenbergs gelesen habe, sehe ich selbst die genannten Romane und Autoren in ganz anderem Licht.

Während des Lesens geriet ich fast in eine Art Rausch. Ich kam kaum vorwärts (zwei Minuten für eine Seite, doppelt so lang wie gewohnt), aber ich wollte immer weiterlesen, mehr erfahren, mehr Wissen in meinen Verstand stopfen. Doch dieser sagte irgendwann (ca. nach 20 Seiten) „STOPP!“ und ich musste Blumenbergs Schriften wohl oder übel zur Seite legen.

Diese gesammelten Werke sind Fachliteratur, nicht für jedermann geeignet. Ungeübte Leser werden zu schnell in Frustration gefallen. Blumenberg bedient sich der Worte „Dualismus“ und „Metaphysik“ wie wir „Hallo“ und „Schönes Wetter“ sagen. Ich musste mich erst einmal hinsetzen und Wikipedia-Artikel wälzen, um den Kontext zu verstehen.

Doch gehöre ich zu den Leuten, denen sowas Spass macht. Ich liebe es zu lernen und Neues zu erfahren. Vor allem wenn es um mein Lieblingsthema geht: Bücher!

Und davon gibt es in diesen Schriften sehr viel. Aber Blumenberg macht auch einen Abstecher zu den Comics, vergleicht Hardcover und Taschenbuchausgaben und philosophiert fröhlich vor sich hin. Denn das tun Philosophen nun einmal.

Nur den sehr ausführlichen Text am Ende habe ich grob überflogen. So tiefgründig muss ich mich nicht über einen Autoren informieren, von dem ich noch nie gehört habe. Jedoch hat Blumenberg schon zuvor dafür gesorgt, dass meine Bibliotheksliste zügig angewachsen ist.


Hans Blumenberg
Schriften zur Literatur 1945-1958
HC mit Schutzumschlag, 1. Auflage 2017
Suhrkamp

978-3-518-58697-6

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