[Abgebrochen] Paul Auster - 4321

Als ich erfuhr, dass ein neues Werk von Paul Auster erscheinen soll, habe ich mir das Buch sofort vorbestellt. Zu keiner Zeit zweifelte ich daran, dass mir "4321" gefallen wird. Damit, dass ich es abbrechen werde, nein, damit habe ich nie und nimmer gerechnet.

Ich kam bis etwa Seite 400, aber da war der Frust bereits riesig. Dieser hatte sich bereits bei ca. Seite 200 eingestellt. Irgendwie kam mir alles so... banal vor. An keiner Stelle geschah irgendetwas, das mich wirklich mitgerissen oder begeistert odert entsetzt hätte. Die Fergusons leben ihre Leben, aber andere Rezensionen bestätigten, was ich bereits gefürchtet hatte: die Lebensstränge unterscheiden sich kaum. Bereits nach 400 Seiten kann ich die einzelnen Abschnitte nicht mehr richtig unterscheiden, da die Ähnlichkeiten zu frappierend sind.

Ausserdem kann ich leider mit der Hauptperson und mit seiner gesamten Familie auf keinem Lebensstrang etwas anfangen. Ferguson ist langweilig. Seine Familie ist langweilig. Der Junge kann einfach alles, ist aalglatt. Was interessiert mich dessen Leben, wenn eh alles glatt laufen wird? Ich mag Charaktere mit Ecken und Kanten. Solche, die direkt aus dem Leben gegriffen sind. Solche Helden wie Ferguson gibt es höchstens in Hollywoodstreifen.

Aber in diesen geschieht immerhin ab und zu etwas Spannendes. Zusätzlich zu seinem Hauptcharakter portraitiert Auster auch die Geschichte Amerikas und jene der Stadt New York. Mag spannend sein, ist es hier aber für mich nicht. Zu oft wird man unterdessen mit der Geschichte Amerikas konfrontiert. Wahrscheinlich wissen wir Europäer mehr über die Geschichte Amerikas als umgekehrt. Kürzlich erst habe ich mich durch Amos Oz' "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" gequält. Ja, gequält, weil Familiengeschichten definitiv nichts für mich sind. Aber bei Oz lernt man zumindest noch etwas über das Land Israel, von dem ich um einiges weniger weiss als von den USA, die uns beständig mit ihrer Anwesenheit beglücken.

Nein, der Frust war nach 400 öden Seiten so hoch und mein Glauben an einen (ehemaligen?) Lieblingsautoren so gesunken, dass ich keine Seite weiter in "4321" lesen will. Wo ist der Autor von "Man in the Dark" geblieben? Das Magische im Magischen Realismus? Im Gegensatz zu erwähntem Buch ist "4321" einfach ein Werk von Vielen. Jeder, der einen Kurs in kreativem Schreiben besucht hat, kann so etwas produzieren. Während frühere Werke Austers tatsächlich noch Kreativität und Originalität in sich trugen.

Schweren Herzen verabschiede ich mich von Paul Auster als einem meiner Lieblingsautoren. Ich werde mich an die älteren Titel halten, aber die Enttäuschung und der Frust haben sich in mir festgefressen...

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