[Rezension] Abdalrachman Munif - Salzstädte

Rückentext:
Wadi al-Ujun, das Tal der Wasserquellen. Nur der Regen, die Karawanen und das Gebet bestimmen den Rhythmus der Oase. Doch eines Tages dringen Amerikaner in die Idylle ein, um verborgene Erdölfelder zu erschließen, und die Dorfbewohner erkennen bald, dass ihr Leben nie mehr dasselbe sein wird.

Meine Meinung:
Salzstädte sind Orte, an denen man nicht dauerhaft leben kann und in diesem Sinne erzählt Abdalrachman Munif vom Einfall der Amerikaner in ein bis dato ruhiges Dorf. Der Grund dafür: Öl. Mit dem Versprechen, dass alle Bewohner reich werden würden, werden die Familien entwurzelt, umgesiedelt und die Männer als Arbeitskräfte in Lager gebracht.

Dieses Buch ist der erste Band einer fünfteiligen Saga der arabischen Geschichte und zeigt kritisch auf, was die Ölförderung für Opfer brauchte. Dieser unverstellte Blick auf Geschehenes sorgte dafür, dass dem Autor seine saudi-arabische Staatsbürgerschaft entzogen wurde. Munif ist unangenehm, denn er weiss auch, wovon er berichtet, arbeitete er selbst doch ebenfalls in der Ölindustrie.

Trotz der Wichtigkeit dieses Werkes hatte ich meine liebe Mühe damit. Nicht, dass es zäh gewesen wäre, eher im Gegenteil. Das Buch war mir persönlich leider zu aussenstehend. Wir begegnen vielen Figuren, jedoch erobert sich keiner wirklich den Platz als Hauptfigur. Somit fehlte mir ein roter Strang, der mich in diese harte Realität hineingezogen hätte.

Dennoch bleiben mir die Schilderungen im Kopf. Wie sich das Leben dieser einfachen Leute von heute auf morgen ändert und keiner fragt sie nach ihrer Meinung. Die Amerikaner sind ihnen fremd, ihr Verhalten ergibt keinen Sinn. Versprechungen werden gemacht, aber nicht gehalten.

Auch wenn es vielleicht eher unwahrscheinlich ist, dass ich die anderen vier Teile ebenfalls lesen werde, so war es dennoch eine aufschlussreiche Lektüre. Es bietet einen tiefen Einblick in die arabische Seele und hilft dabei, Zusammenhänge zu sehen, die bis ins 21. Jahrhundert hineinreichen.

Mein einziger grosser Kritikpunkt ist, dass die weibliche Perspektive fast gänzlich fehlt. Frauen kommen anfangs gegen Ende am Rande kurz vor, ansonsten sind alle handelnden Charaktere männlich. Dies kann man damit erklären, wie die Familienstrukturen aufgebaut sind und dass vor allem Männer in der Ölförderung arbeiten. Aber trotzdem sind diese Männer doch irgendjemandes Söhne, Brüder, Ehemänner…

Ja, es hätte mich auch sehr interessiert, wie die Frauen mit dieser Katastrophe umgegangen sind bzw. sich mit diesem neuen Leben abgefunden haben. Denn schliesslich wurden nicht nur die Männer entwurzelt, sondern auch die Frauen des Volkes.


Abdalrachman Munif
Salzstädte
HC mit Schutzumschlag, 2003
Hugendubel

3-7205-2425-6

Aus dem Arabischen von Magda Barakat und Larissa Bender
Originalausgabe: Mudun al-milh. At-tih, 1984

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