[Rezension] Niccolò Machiavelli - Die Alraune

Rückentext:
Man kennt Machiavalli als den Autor des Buches Il Principe, der viel gelesenen, oft kommentierten und noch viel häufiger kritisierten politische Abhandlung. Dass derselbe Autor, dem man die Erfindung des Machiavellismus zuschreibt, auch eine Komödie verfasst hat, ist weit weniger bekannt.
"Die Alraune" ist ein Schauspiel, in dem viele Elemente der Commedia dell‘Arte eingehen. Der geizige Alte, der junge Liebhaber, den freche Diener und der intrigierende Schmarotzer sind bekannte Figuren und haben ihre Vorbilder in den hergebrachten Charakteren. Und dennoch ist das Stück einzigartig. Die Menschenkenntnis, die sich Machiavelli als Diplomat und als Reisender erworben hat, verwandelt die Typen der Commedia dell‘Arte in Menschen aus Fleisch und Blut. In dem Verlauf der Intrige und in dem Willen der Handelnden, ihre Ziele zu erreichen, sieht man den Fürsten aus Machiavellis politischen Schriften am Werk. Dass es sich um ein Liebesabenteuer und nicht um eine kriegerische Eroberung handelt, ist für den Renaissance-Menschen kein entscheidender Unterschied: Ob ein Mann sich Mars und Amor widmet, ist eine Frage der äußeren Umstände.

Meine Meinung:
Der Hexenmeister schnappte auf, dass ich mal etwas von Machiavelli lesen wollte. An so etwas wie "Die Alraune" habe ich dabei zwar nicht gedacht, aber als Einstieg eignet sich diese Komödie wunderbar.

Ob ich die Parodie erkennt hätte, hätte ich nicht davon gewusst, kann ich nicht sagen. Aber so habe ich stets darauf geachtet und tatsächlich treibt Machiavelli bekannte Themen bis an die Spitze. Hier täuscht jeden jeden und wenn die Figuren in irren Verkleidungen durch Florenz huschen, kann man nicht anders, als lachend den Kopf zu schütteln.

Dabei lässt der Autor an keinem ein wirklich gutes Haar, jeder bekommt sein Fett weg, ohne es wirklich zu realisieren. Der Anwalt ist naiv-blöd, der Schmarotzer intrigiert und der junge Kallimachus denkt nur an seinen Spass. Auch der Priester wird nicht verschont, der ist so geldgierig, dass er alles dafür tut und stets die Armen vorschiebt.

Spannend fand ich auch, dass Machiavelli, obwohl er ein Theaterstück schreibt, sehr viel Lokalkolorit einbringen kann. Normalerweise beschränken sich solche Stücke auf bestimmte Zimmer, die man im Theater rasch anfertigen kann. Aber trotz der beschränkten Möglichkeit fühlt sich sogar der Leser des Textes nach Florenz versetzt, spürt den warmen Wind und es kommt sogar leichte Ferienstimmung auf.

Diese hält aber nicht lange an, da die Figuren bereits wieder die nächsten ulkigen Pläne schmieden. Ehrlich, ich würde das Stück sehr gerne mal auf der Bühne sehen - das muss ein grandioses Erlebnis sein!


Niccolò Machiavelli
Die Alraune
TB, 1. Auflage 2010
BoD

978-3-3916733-5

Aus dem Italienischen von Jürgen Wüllrich
Originalausgabe: La Mandragola

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