[Abgebrochen] Lin Hallberg - Verlass dich auf mich, morgen komme ich wieder

Eigentlich wollte ich im Jahr 2014 kein Buch mehr abbrechen, deswegen habe ich mich u.a. auch durch Szerbs "Reise im Mondlicht" gequält. Leider kam es dann doch noch dazu, dass ich ein Buch nicht beendet habe, sondern eher verärgert in die Ecke geworfen habe (nur bildlich).

Dabei geht es um Lin Hallbergs "Verlass dich auf mich, morgen komme ich wieder". Ein Buch über Island und Islandpferde. Nur schon das Cover machte mir Laune auf dieses Buch. Und auch wenn ich keine Reiterin bin, so mag ich Pferde doch ganz gerne. Und vielleicht würde ich durch dieses Buch auch etwas über Island erfahren?

Dies waren meine Gedanken, bevor ich zu diesem Jugendbuch griff. Der Anfang war ganz schön, wie Johanna als Fünfjährige mit ihrer Grossmutter ausreitet und die fast wilden Pferde beobachtet. Doch dann trennen sich Johannas Eltern und gemeinsam mit ihrer Mutter zieht sie nach Schweden.

Nach den ersten Seiten merkte ich schon, dass diese Geschichte nichts für die dunkle Jahreszeit ist. Denn das Buch ist so schrecklich traurig und so deprimierend erzählt, dass man sich danach erst einmal ein paar Antidepressiva reinschmeissen muss.

Dafür ist es auch umso ergreifender, wie die junge Johanna sich aufopferungsvoll um ihr Pflegepferd kümmert. Man merkt sofort, dass es für dieses Mädchen nichts anderes gibt, als Pferde. Dies ging mir sehr nahe und obwohl ich keine Beziehung zu Johanna aufbauen konnte (nächster Minuspunkt - Johanna ist mir als Figur zu schwach gezeichnet, sie hatte für mich an keiner Stelle ein Gesicht), so wollte ich doch wissen, wie sie den Stall am Laufen hält.

Als nächstes fiel mir die schlechte Übersetzung oder allenfalls die schlechte Sprache der Autorin auf. Die Sätze sind überaus schlecht komponiert, teilweise ergeben sie gar keinen Sinn. Einen Satz musste ich etwa vier Mal lesen, weil eine falsche Präposition gewählt wurde und der Satz so gar nicht mehr aufging. Auch falsche Zeitformen lassen sich finden. Für einen grossen Verlag wie Kosmos ist das schon sehr schwach.

Bisher hatte das Buch also mehr Minus- als Pluspunkte und ich begann schon, quer zu lesen. Das ist bei mir der erste Schritt vor dem Abbrechen. Manche Bücher schaffe ich quer noch, aber wenn es sogar dann noch fürchterlich zu lesen ist, breche ich ab.

Bei diesem Buch war es ein bestimmtes Wort, das das Fass zum Überlaufen brachte. Nämlich dieses hier: Schwanz.

Ein Pferd hat keinen Schwanz, sondern einen Schweif. Ein Schwanz besteht aus Knochen, während ein Schweif nur aus Haaren besteht. Wie beim Pferd. Siehe die "Sternenschweif"-Reihe, die ebenfalls bei Kosmos erscheint. Dort kannte man den Unterschied.

Zur weiteren Erklärung: In jedem anderen Buch wäre mir das herzlich egal gewesen. Ich hätte es realisiert, aber wenn es in einer Geschichte um den Ersten Weltkriegt geht, dann ist es nicht wichtig, ob das Pferd des Soldaten mit dem Schwanz oder mit dem Schweif peitscht. Denn im grossen Zusammenhang ist dies nicht wichtig.

ABER: In "Verlass dich auf mich, morgen komme ich wieder" geht es in erster Linie um Pferde, und auch in zweiter oder dritter. Die Zielgruppe hier sind Mädchen, die Pferde mögen und meistens selber reiten. Die wissen aber sehr wohl, dass ein Pferd keinen Schwanz hat.

Wenn also jemand ein Buch über Pferde schreibt, erwarte ich, dass sich diese Person genug mit dem Thema auseinandersetzt, um zu wissen, wovon er schreibt. Und wenn das nicht der Fall ist, erwarte ich vom Kosmos-Verlag (der haufenweise Pferdebücher im Programm hat), dass der/die Lektor/in das korrigiert.

Um auf das Beispiel mit dem Ersten Weltkrieg zurückzukommen: Ich hätte an der Stelle abgebrochen, in der der Soldat sein I-Phone gezückt hätte.

Leider hatte Lin Hallbergs Buch bei mir schon zu viele Minuspunkte, als dass ich nach diesem Fehler noch weiterlesen wollte.


Kommentare

  1. Das mit dem Schwanz- Schweif Fehler ist schon recht extrem. Das wissen ja wirklich die Meisten, insbesondere sollten es Leute wissen, die ein Buch darüber schreiben. *grummel*

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  2. Ganz meine Meinung. Für ein Pferdebuch ein absolutes No-Go!

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