[Rezension] Otfried Preussler - Thomas Vogelschreck

Rückentext:
Thomas Vogelschreck ist eine Vogelscheuche, die hören, denken und fühlen kann und einen Sommer lang das Krautfeld von Bauer Tobias Sommerkorn bewacht. Darauf ist Thomas sehr stolz; das Krautfeld ist sein Königreich. Nur die Spatzen sind ziemlich frech! Aber auch gegen die setzt er sich schließlich durch. Sein größter Wunsch ist es, einmal mit dem Wind, der die Dosen an seinen Reisigarmen klappern lässt, hoch hinauf zu fliegen, wo die herrlichen Wolken sind. Doch dieser Traum scheint unerfüllbar zu sein, bis das Ende des Sommers naht...Amazon

Meine Meinung:
Auf dieses Buch bin ich der Bibliothek gestossen, als ich nach einem Buch für die "Oldie but Goldie"-Challenge suchte. Da ich dieses Werk von Preussler noch nicht kannte, nahm ich die Vogelscheuche kurzerhand mit. 

"Thomas Vogelschreck" ist ein Kinderbuch, das auch für Erstleser sehr gut funktioniert. Die Sprache ist so gehalten, dass Leseanfänger nicht überfordert werden, während geübte Lesefreunde sich mühelos an der Geschichte erfreuen können. Dazu kommen viele teilweise ganzseitige Illustrationen von Herbert Holzing, die das Geschehene untermalen und einem beim Lesen eine Pause gönnen. Die Bilder mögen nicht mehr ganz zeitgemäss sein, aber man sollte nicht vergessen, dass dieses Buch erstmals 1958 erschienen ist.

Das Leben dieser liebenswerten Vogelscheuche ist äusserst geruhsam, darin bereits unterscheidet sich dieses Kinderbuch von der heutigen Literatur. Keine grossen Kämpfe auf Leben und Tod, niemand muss gerettet werden oder gerät in Gefahr. Thomas beobachtet die Natur um sich herum, widmet sich seiner Aufgabe und lernt so vieles über das Leben.

Auf dieser Ebene handelt es sich um ein fast philosophisches Buch. Denn trotz seiner Gemütlichkeit ist es an keiner Stelle langweilig. Manchmal muss man etwas über Thomas' Naivität schmunzeln - doch woher soll eine Vogelscheuche denn wissen, wie das mit den Schatten funktioniert? Mit der Zeit entwickelt sich Thomas von einer naiven Figur zu einem richtig gebildeten Charakter. Er entwickelt Wünsche und Träume, wächst uns mehr und mehr ans Herz.

Oft wollte ich Thomas einfach mal an mich drücken, weil ich ihn so niedlich finde. Thomas Vogelschreck wäre ein besserer Mensch gewesen als die meisten von uns. Das Ende des Buches hat mich deshalb auch ziemlich mitgenommen. Es ist ein traurig-schönes Ende, das von den Eltern allenfalls mit den Kindern diskutiert werden muss. 

Thomas Vogelschreck, wo auch immer du jetzt sein magst, ich wünsche dir alles Gute!


Otfried Preussler
Thomas Vogelschreck
HC, 1959
Thienemann

3-522-12610-6

Mit Illustrationen von Herbert Holzing

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