[Rezension] Gottfried Keller - Spiegel das Kätzchen
Rückentext:
Kellers modernes Märchen erzählt von Spiegel, dem Kätzchen, einem respektablen Nachfahr des gestiefelten Katers oder des Katers Murr. Spiegel ist ein selbstbewusster und philosophischer Katzenherr in den besten Jahren - wie aber wird ihm ergehen, als er in die Hände des Stadthexenmeisters Pineiss gerät?
Meine Meinung:
Die Fabel um Spiegel das Kätzchen bildet den Abschluss des ersten Bandes um die Leute aus Seldwyla. Dabei unterscheidet sich diese Geschichte meiner Meinung nach stark von den anderen beiden, die ich bisher gelesen habe.
Die Fabel um Spiegel das Kätzchen bildet den Abschluss des ersten Bandes um die Leute aus Seldwyla. Dabei unterscheidet sich diese Geschichte meiner Meinung nach stark von den anderen beiden, die ich bisher gelesen habe.
Nicht nur, dass hier ein stattlicher Kater (also
eigentlich gar kein Kätzchen mehr) als Protagoist auftritt, sondern auch
Kellers Erzählsprache hat sich verändert. Hat er die Helden aus „Der Schmied
seines Glücks“ und „Kleider machen Leute“ eher wohlwollend und mit einer
gewissen Portion Humor betrachtet, ist Spiegels Geschichte ernsthafter erzählt.
Zwar kommt auch bei Spiegel zum Schluss wieder der
auktoriale Humor durch, aber es scheint als sei Keller Spiegel gegenüber
kritischer eingestellt. Auch der Sprachrhythmus ist ein anderer und ich hatte
mit „Spiegel das Kätzchen“ etwas mehr Mühe beim Lesen als noch bei den anderen
Erzählungen.
Trotzdem ist auch diese Geschichte lesenswert. Vor
allem, da sie so anders und deshalb ungewohnt neu ist. Spiegel ist ein interessanter
Held, obwohl man ihn vielleicht nicht als solchen bezeichnen sollte.
Denn Spiegel ist tatsächlich das, was er ist: eine
Katze. Etwas durchtrieben, aber doch so, dass man ihm einfach nicht böse sein
kann. Keller stellt hier die Frage nach Recht und Unrecht und dies ziemlich
direkt.
Ist Spiegels Verhalten rechtens oder nicht?
Immerhin hat er einen legalen Vertrag mit dem Hexenmeister. Und hat letzterer
sein schlussendliches Schicksal tatsächlich verdient? Um das zu beurteilen
müsste man mehr über den Hexenmeister wissen. Auf jeden Fall gibt das Büchlein
zu denken und trotz der geringen Seitenzahl auch Diskussionsstoff.
Es war eine ab und zu etwas zähe, aber dennoch
lohnenswerte Lektüre. Keller ist sogar innerhalb seines eigenen Zyklusses sehr
vielfältig und so entdeckt man mit jedem Reclam-Heftchen eine neue Seite des
idyllischen Dorfes Seldwyla.
Es wird bestimmt nicht lange dauern, bis ich mich
wieder dorthin begeben werde.

Gottfried Keller
Spiegel das Kätzchen
TB, 2006
Reclam
Reclam
978-3-15-007709-5
Das klingt irgendwie mehr nach etwas, das ich lesen möchte... Aber erst einmal muss ich radikal aussortieren... Aber das mache ich dann wohl am ersten Mai WOchenende. Oder heute Abend noch... :D Wenn ich fertig bin mit Tasche packen...
AntwortenLöschenAussortieren klingt gut - mach ich jetzt regelmässig. Viel Spass dabei :)
LöschenUnd auch viel Spass mit dem kleinen Spiegel ;)