[Rezension] Nikolai Gogol - Die Nase/Der Mantel
Rückentext:
Mit seinen Petersburger Novellen 'Die Nase' und 'Der Mantel' hat Gogol
Weltliteratur geschrieben. Auf einzigartige Weise, vieldeutig und
amüsant, mischen sich in seiner Erzählkunst Phantastik und Realismus,
Tragik, Humor und Groteske. Im Vordergrund steht in beiden Novellen der
Mensch, den die zaristische Gesellschaftsordnung zerreibt. Dem einen
fehlt eines Morgens die Nase. Später begegnet er ihr auf offener Straße:
in der Uniform eines Staatrats, der er selber gern wäre. Der andere hat
unter größten Entbehrungen auf einen neuen Mantel gespart, verliert ihn
dann aber kurz nach dem Kauf und zerbricht daran seelisch und physisch.
Vieles erinnert in diesen Erzählungen an Laurence Sterne und E.T.A.
Hoffmann. Auf Kafkas 'Verwandlung' weist vor allem 'Die Nase' deutlich
voraus.
Beide Geschichten, „Die Nase“ und „Der Mantel“ sind
sehr kurz und rasch gelesen. Aber es braucht auch solche kleine Häppchen in der
russischen Literatur, denn wer wagt sich sofort an Wälzer „Krieg und Frieden“
heran?
Meine Meinung:
Meine Meinung:
Mit Gogols Kurzgeschichten kann man sich gelassen
mit der russischen Erzähltechnik bekanntmachen und sich dort mal etwas umsehen.
Wenn es einem gefällt, kann man alsbald zum nächst grösseren Buch greifen. Für
Einsteiger und Neugierige sind diese Texte in meinen Augen sehr empfehlenswert.
Wobei man sich vor allem bei der Nase nicht allzu
sehr an die Realität klammern sollte. Viel wurde schon über dieses kurze Stück
Literatur geschrieben, nachgedankt, interpretiert, aber auf einen grünen Zweig
ist dabei noch keiner gekommen. Ich finde, man sollte es als das nehmen, wonach
es aussieht: Klamauk, Spass, Unsinn.
Seit ich diese Geschichte gelesen habe, schaue ich
stets nach, ob sich in meinem Brötchen nicht vielleicht eine Nase versteckt
hält. Mir hat das Lesen viel Spass gemacht, eben, weil ich es nicht zu ernst
nahm. Es gar nicht ernst nehmen konnte.
„Der Mantel“ kommt schon wieder trister und
naturalistischer daher. Es ist ein trauriges Bild unserer Gesellschaft, die
extrem fixiert ist auf Äusserlichkeiten und schon mehr als ein Schicksal ist
dadurch korrumpiert worden. Doch zum Schluss hin giesst Gogol noch einmal einen
kleinen Tropfen Fantasie hinzu, sodass auch der Held dieser Geschichte zu dem
kommt, was ihm zusteht.
Dies ist auch für den Leser versöhnlicher. Das Ende
wäre ansonsten sehr ernüchternd. Realistisch und wahr, aber ernüchternd. Und
mit nüchtern möchte ein Russe bestimmt nicht viel zu tun haben (so viel
Vorurteil darf sein, wenn sich der Major in der Nase fragt, ob er das Wasser
mit dem Vodka verwechselt hat).

Nikolai Gogol
Die Nase/Der Mantel
Die Nase/Der Mantel
HC, 2006
Anaconda
Anaconda
3-938484-78-0
Aus dem Russischen von Georg Schwarz
Originalausgabe: Nos, Petersburg 1836
Schinel, Petersburg 1842
Originalausgabe: Nos, Petersburg 1836
Schinel, Petersburg 1842
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