[Rezension] Malaika Wa Azania - Born Free: Mein Leben im Südafrika nach der Apartheid

Rückentext:
Als Malaika Wa Azania 1991 in Soweto zur Welt kommt, liegt der Wandel in der Luft. Ihre Mutter und ihre Großmutter haben noch wie so viele unter der Apartheid gelitten, aber jetzt, jetzt bricht eine neue Ära an. Nelson Mandela ist gerade aus dem Gefängnis frei, und nie wieder sollen die Schwarzen in Südafrika Fremde in ihrer eigenen Heimat sein. Doch die Umstände, unter denen Malaika aufwächst, sind hart. Zwar ist ihre Generation »born free«, in Freiheit geboren. Aber die sozialen und wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Schwarzen und Weißen sind immer noch drastisch, und der Weg durch das Schulsystem bis an die Uni ist selbst für ein kluges Mädchen ein steiniger, wenn dieses Mädchen schwarz ist und in einer Township lebt. Und so erzählt sie nun, Anfang zwanzig, ihre persönliche und zugleich sehr politische Geschichte. Sie will den Mächtigen in ihrem Land die Augen öffnen, wie das Leben in der Township wirklich ist. Erklären, wie es sich anfühlt, den Raum zu betreten, der vormals Weißen vorbehalten war. Sie schreibt in der Hoffnung auf ein wahrhaft freies Südafrika. Emotional und kämpferisch - die starke Stimme einer neuen Generation.

Meine Meinung:
Südafrika wird oft als Beispiel angeführt, dafür, dass Afrika funktionieren kann. Doch dass dies nur eine europäisch-amerikanische Sicht ist, beweist uns die kämpferische Malaika in ihrem Brief an den ANC (dem Afrikanischen Nationalkongress). In "Born Free" erleben wir unverstellt, wie es in Südafrika wirklich aussieht.

Das Leben der ärmsten der Armen ist noch immer geprägt von Rassismus und alten Regeln, die man angeblich über Bord geworfen hat. Dabei erstaunte mich, dass die Apartheid noch gar nicht so lange her ist. Malaika ist ein paar Jahre jünger als ich und gehört zur ersten Generation der sogenannten "Born Free", also jener schwarzen Südafrikaner, die gleichberechtigt sind.

Doch die Schilderungen Malaikas stimmen einen traurig. Es kann doch nicht sein, dass hauptsächlich von Weissen besuchte Schulen staatliche Fördergelder bekommen, während die Schulen von hauptsächlich schwarzen Schülern kaum über die Runden kommen. Hier setzt Malaikas Kritik ein - es beginnt schon in der Kindheit, da die armen Schüler kaum die Möglichkeit haben, die Bildungslücken aufzuholen.

Auch die Schilderung, als Malaika mit 18 ihr Studium begann und auf einer Party nur aufgrund ihrer Hautfarbe sehr schlecht behandelt wird - das ist erst ein paar Jahre her! Ich war oft entsetzt darüber, was diese junge Frau erleben musste. Und so wie ihr ergeht es vielen jungen Schwarzen.

"Born Free" ist ein sehr politisches Buch, in dem Namen auftauchen, die uns Westler kaum bekannt sind. Dennoch zeigt das Buch den Weg einer mutigen und vor allem wütenden Frau auf, die weiss, was sie will. Es braucht solche Persönlichkeiten wie Malaika Wa Azania, die Missstände offen ansprechen und es so schaffen, diese zum Besseren zu ändern.

Ja, Malaika ist wütend und dazu hat sie auch allen Grund. Zwar tappt sie dabei auch manchmal in die Vorurteilsfalle, aber man merkt auch, dass die Autorin immer erwachsener wird. Dennoch frage ich mich, was Malaika davon hält, dass dieses Buch auch von Weissen gelesen wird. Denn eigentlich wendet sich ihr Text vor allem an junge Schwarze.

Dieses Werk ist lesenswert für alle, die Südafrika jenseits des beliebten Touristenorts kennenlernen wollen. Für jene, die sich ein Bild davon machen möchten, wie es tatsächlich ist, in den Slums aufzuwachsen.

Südafrika ist auf einem guten Weg, wenn es Leute wie Malaika Wa Azania hat, die sich für echte Gleichberechtigung einsetzen und jenen eine Stimme geben, die nicht für sich sprechen können.

Malaika Wa Azania
Born Free: Mein Leben im Südafrika der Apartheid
TB, 1. Auflage 2016
Rotpunktverlag

978-3-858-69687-8

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

[Rezension] Marc-Uwe Kling - Die Känguru-Apokryphen

[Rezension] Franz Werfel - Eine blassblaue Frauenschrift

[Rezension] Tschingis Aitmatow - Der Erste Lehrer