[Rezension] Mary Shelley - Frankenstein

Rückentext:
Der Roman über den jungen Schweizer Viktor Frankenstein, der einen künstlichen Menschen erschafft, ist ein seltenes Glanzstück der romantischen Schauerliteratur: Das grandiose erzählerische Geschick, mit dem die englische Autorin ihr Thema zu einer bis heute ungebrochen populären Geschichte verarbeitete, lässt ihren »Frankenstein«-Roman weit über die meisten vergleichbaren Romane seiner Epoche hinausragen.

Meine Meinung:
Wirklich genau sagen, was ich von diesem Klassiker erwartet habe, kann ich nicht. Ich habe mich auf die Lektüre eingelassen, ohne gross etwas im Kopf zu haben. Neugierig war ich, zu erfahren, wie die ursprüngliche Geschichte, das Original, daherkommt.

Wahrscheinlich konnte ich das Buch genau deshalb so sehr geniessen. Überraschenderweise hat mir vor allem Mary Shelleys Sprache sehr gut gefallen. Sie ist eine richtige Vertreterin der Romantik und das spiegelt sich in ihrem berühmtesten Werk durch und durch.

Wäre das Buch in unserer Zeit geschrieben worden, wäre "Frankenstein" eher ein actionlastiges Werk mit jugendlichem Helden geworden, der alles daran setzen würde, seine Kreatur zu vernichten. Doch es wie bereits erwähnt, ein Buch aus der Romantik ist, funktioniert es völlig anders und könnte deswegen ein jüngeres Publikum auch eher langweilen.

Denn bei Shelley geht es eher um die Darstellung des inneren Konfliktes von Viktor Frankenstein und dessen seelische Zustände. Aber ebenso lässt sie das Monster zu Worte kommen, uns erzählen, was es durchmachen musste. Hier wirft die Autorin spannende und diskussionswürdige Fragen auf. Woher kommt das Böse? Wer ist dafür verantwortlich? Kann ich andere für mein Leid verantwortlich machen?

Der Horror des Buches lebt vor allem vom psychologischen Aspekt, nicht von Blut, Gliedmassen oder irgendwelchen Ouija-Brettern. Shelley stellt sich die Frage, wie es ist, mit solch einer Bürde zu leben und auch, wie es ist, eine solche Bürde zu sein. Was hätte nicht alles aus dem Monster werden können?

Durch all diese Aspekte wird "Frankenstein" zu einem ruhigen, tiefen und auch erschütternden Roman. Oft hatte ich tatsächlich Mitleid mit dem Monster, auch wenn dies nicht unbedingt gerechtfertigt sein mag. 

Ein schön geschriebenes, tiefgründiges Werk, das ich aufgrund des fordernden Englisches und des gemächlichen Tempos an eher erfahrene Leser empfehlen kann.


Mary Shelley
Frankenstein
E-Book von edition divibib

Kommentare

  1. Bei mir ist es schon ziemlich lange her, aber ich habe damals auch mit dem Monster gefühlt. Es hat mir unendlich leid getan, weil es für die Situation ja nichts konnte.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Schön zu hören, dass es nicht nur mir so ging! Auch ich bin der Ansicht, dass es wirklich nichts dafür kann.

      Viele Grüsse
      Jari

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