Sonntag, 19. März 2017

[Rezension] Cornelia Funka - Die Feder eines Greifs

Rückentext:
Der Drachenreiter kehrt zurück: Fortsetzung von Cornelia Funkes erfolgreichstem Kinderroman! Zwei Jahre nach ihrem Sieg über Nesselbrand erwartet Ben, Barnabas und Fliegenbein ein neues Abenteuer: Der Nachwuchs des letzten Pegasus ist bedroht! Nur die Sonnenfeder eines Greifs kann ihre Art noch retten. Gemeinsam mit einer fliegenden Ratte, einem Fjordtroll und einer nervösen Papageiin reisen die Gefährten nach Indonesien. Auf der Suche nach dem gefährlichsten aller Fabelwesen merken sie schnell: sie brauchen die Hilfe eines Drachens und seines Kobolds."Die Feder eines Greifs" ist Lesegenuss vom Feinsten: spannend, magisch und atmosphärisch. Ein grosser, fantastischer Roman der international gefeierten, preisgekrönten Autorin Cornelia Funke. 

Meine Meinung:
Ich gebe offen und ehrlich zu, dass ich skeptisch war. Ja, ich habe die Nase gerümpft, als es hiess Funke würde eine Fortsetzung zu "Drachenreiter" schreiben. Ein weiteres Buch, das durch eine dahingeschmierte Fortsetzung kaputt gemacht wird. Das war mein Gedanke. Aber neugierig war ich natürlich trotzdem. Also habe ich mir das Buch aus der Bibliothek geholt.

Aber es ist wohl so, dass wenn Cornelia Funke sich hinsetzt um etwas zu schreiben, dieses Etwas gut wird. Egal, worum es sich handelt. Denn auch dieses Buch ist ein Wunderwerk und steht seinem Vorgänger in nichts nach! Wie konnte ich nur so zweifeln?

Es gibt ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten und was ist schöner, als nach langer Zeit wieder auf seine Freunde zu treffen? Dazu kommen natürlich auch viele neue Figuren, die man ebenso ins Herz schliesst, wie Ben und Co. Funke hat eine unglaubliche Fantasie und erzählt uns ihre Geschichte in gewohnt spannender und packender Manier. 

Obwohl es sich um ein Kinderbuch handelt, fieberte ich von Anfang an mit. Schaffen es Ben und Barnabas, die Feder aufzutreiben? Die Zeit wird knapp! Und so hibbelte ich mit, von Seite eins bis zum Schluss. Ich war mittendrin im Geschehen, konnte den Urwald spüren und das Fell der Affen berühren. Das ist Funkes Talent. Erzählen, berichten uns in andere Welten schicken, auf dass wir gar nie mehr nach Hause wollen.

Dazu passend hat die Autorin selbst wunderschöne Zeichnungen angefertigt, die den Leser durch dieses Abenteuer begleiten. Da frage ich mich wirklich, ob es etwas gibt, das Cornelia Funke nicht kann. Diese Frau ist einfach unglaublich begabt! Ja, ich ergehe mich gerade in Lobhuldigungen, aber die hat Frau Funke sich redlich verdient!


Cornelia Funke
Drachenreiter
Die Feder eines Greifs
HC, 2016
Dressler

978-3-7915-0011-9

Mit Illustrationen von Cornelia Funke

Samstag, 18. März 2017

[Rezension] Eoin Colfer - Und übrigens noch was...

Rückentext:
Arthur Dents zufällige Beziehung zum aussergewöhnlichen Reiseführer "Per Anhalter durch die Galaxis" blieb nicht gänzlich ohne Zwischenfälle. Arthur hat den bekannten (und unbekannten) Weltraum bis in die letzten Winkel und darüber hinaus bereist, nachdem sein Haus (und der gesamte Planet Erde) an einem furchtbar dummen Donnerstag einer Hyperraum-Schnellstrasse weichen musste. Nach diversen Eskapaden im Raum-Zeit-Kontinuum landet er schliesslich zu Hause auf der geliebten Erde – die gleich darauf wieder in die Luft fliegt. Arthurs Aussichten auf eine gemütliche Tasse Tee sind nicht gerade rosig ... In "Und übrigens noch was ..." bekommt er es unter anderem mit arbeitslosen Göttern zu tun, abtrünnigen galaktischen Präsidenten, verliebten grünen Aliens, lästigen Computern und einer ziemlich grossen Scheibe Käse.

Meine Meinung: 
Grundsätzlich bin ich skeptisch, wenn ein Fremder die Arbeit eines Anderen übernimmt und fortführt. Deshalb war ich auch zwiegespalten, ob ich "Und übrigens noch was..." nun wirklich lesen sollte oder nicht. Nachdem mir das Buch immer wieder begegnet ist, gab ich nach und nahm es mit nach Hause.

Zum Glück hat das Buch mich nicht locker gelassen. Schon von den ersten Sätzen an fühlte ich mich wieder mittendrin und um ehrlich zu sein konnte ich kaum einen schriftstellerischen Unterschied zwischen Adams und Colfer feststellen. Also entweder hat Gunnar Kwisinski bei der Übersetzung ganze Arbeit geleistet oder Colfer bei seiner. Oder beides. Auf jeden Fall handelt es sich bei "Und übrigens noch was..." um eine von Douglas Adams autoristierte Geschichte, also habe ich mit meiner Skepsis abgeschlossen und einfach nur die Geschichte genossen.

Es geht verrückt und wirr zu wie in jedem anderen Teil der Anhalter-Reihe und wie bei jedem anderen Teil der Anhalter-Reihe habe ich mich köstlich amüsiert. Ich liebe diese irrwitzige Welt, den armen Arthur, seine durchgedrehten Begleiter und die Vogonen, die auch wieder auftauchen, sind doch auch sehr faszinierend.

Colfer gehen an keiner Stelle die Ideen aus und in adam'scher Manier lässt er ein surreales Erlebnis auf das nächste folgen. Auch die Dialoge und Charakterzüge passen, sodass dieses Buch ein herrliches Wiedersehen mit lieb gewonnen Figuren darstellt. Irgendwie hoffe ich jetzt, dass es vielleicht irgendwann einen siebten Band der fünfteiligen Trilogie geben wird.


Eoin Colfer
...und übrigens noch was
HC mit Schutzumschlag, 2009
Heyne

978-3-453-26640-7

Aus dem Englischen von Gunnar Kwisinski
Originalausgabe: And Another Thing...
Penguin Books, London 2009

Sonntag, 12. März 2017

[Rezension] Andrej Djakow - Hinter dem Horizont

Rückentext:
In den Tunneln von St. Petersburgs Metro gehen seltsame Dinge vor sich. Menschen verschwinden spurlos, und ganze Stationen werden förmlich ausradiert. Eine Gruppe von Stalkern wird losgeschickt, um die Geschehnisse zu untersuchen, unter ihnen Taran, ein Söldner. Keinem von ihnen ist wohl bei der Mission – doch das, was sie in der Finsternis jenseits der sicheren Stationen auffinden, sprengt alles, was sie über die Metro und ihre Geheimnisse zu wissen glaubten …

Meine Meinung:
"Hinter dem Horizont" ist der dritte Teil von Djakows Trilogie aus dem Metro2033-Universum. Blöderweise ist es mir mal wieder passiert, dass ich den letzten Teil einer Reihe vor den anderen Bänden gelesen habe. Dennoch habe ich eigentlich alles verstanden, nur viele der Hinweise auf frühere Erlebnisse der Figuren kenne ich noch nicht, doch nun freue ich mich umso mehr darauf, diese mit den lieb gewonnen Charakteren noch erleben zu dürfen. 

Während sich in Glukhovskys Moskau erst Artjom an die Oberfläche traut, so wird hier gleich eine ganze Expedition losgeschickt. Wir erleben also mit, was nach dem Krieg an der verseuchten Oberfläche vor sich gegangen ist. Die Gruppe um Taran, Gleb und die anderen erlebt hier ein Roadmovie der ganz besonderen und ganz gefährlichen Art.

Djakow versucht eine Antwort zu finden, was die Strahlung mit unserer Erde macht. Was geschieht mit den Tieren, den Pflanzen? Dabei treffen wir auf Gefahren, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Von Mutanten, seltsamer Watte und natürlich anderen Menschen, die stets die grösste Gefahr, aber eben auch die grösste Hoffnung darstellen.

Die Charaktere, die wir kennenlernen, sind alle sehr unterschiedlich, haben ihre Stärken und Schwächen. Während ihrer Reise machen sie alle eine persönliche Veränderung durch. Die ist eine der Punkte, die mir an Djakows Geschichte so gefallen. Alle müssen sich am Riemen reissen, über ihre Schatten springen und sich verändern, um das Ziel ihrer Expedition zu erreichen. Nur Aurora wirkt dagegen etwas blass und erst am Ende hat sie ein paar grössere Sätze. Ihre Rolle ist mir noch unklar, aber vielleicht ändert sich das mit der Lektüre der anderen zwei Titel?

Wer es auch in Büchern actionreich und cineastisch mag, der wird hier seine Freude haben. Denn die Crew kommt mal zum Durchatmen, hinter jedem Schneehaufen wartet bereits das nächste Abenteuer. Doch wirkt es keinesfalls überlastet, denn genauso stelle ich mir diese Reise auch vor. Aus irgendeinem Grund schickt man ja die Stalker raus, weil es für die meisten gewöhnlichen Menschen zu gefährlich ist.

Mir hat dieses Buch wirklich imponiert, das Lesen konnte nicht schnell genung gehen, weil ich einfach wissen musste, was denn nun aus unseren Helden wird. Das Konzept, dass unterschiedliche Autoren eine ganze Welt zusammenbauen und man dadurch immer neue Winkel kennenlernen kann, ist einfach toll. Ich freue mich auf die anderen Bücher Djakows und natürlich alle anderen Titel der Metro-Reihe.


Andrej Djakow
Hinter dem Horizont
Broschiert, zweite Auflage 2013
Heyne

978-3-453-31514-3

Aus dem Russischen von Matthias Dondl
Originalausgabe: Za Gorizont

Samstag, 11. März 2017

[Listig] Listig #1 & #2

 

Wer auch meinem Filmblog folgt, der hat mitbekommen, dass ich Mitte Januar dort den ersten Listig-Post online gestellt habe. So lebte ich weiterhin mein Leben, bis mir irgendwann der Gedanke kam, wieso ich Listig nur auf der Flimmerkiste betreibe. Man kann ja auch mit Büchern schöne Listen machen! 

Also setzte ich mich hin, bastelte einen ähnlichen Banner und hole nun hier gleich noch die erste Liste nach. Die Regeln sind dieselben: keine Mindestanzahl an genannten Titeln, hier ist alles offen. Nur eine kleine Einschränkung mache ich mir: wurde ein Buch verfilmt, darf ich entweder Film oder Buch listen. Nicht beides.

15.01.17 - Weltreligionstag
  1. C. S. Lewis - Die Chroniken von Narnia
    Diese Titel habe ich nur in den Kommentaren angesprochen, weshalb ich sie hier noch einmal reinnehme. Lewis war ein tief religiöser Mann und hat in seinen Büchern Geschichten der Bibel noch einmal nacherzählt. Bestes Beispiel: Die Auferstehung Aslans. Toll ist jedoch, dass man die Reihe auch ohne diesen Hintergrund lesen kann.
  2. Bastian Zach - Das Blut der PiktenHier treffen wir auf die ersten Triebe des Christentums, das gerade dabei ist, die alte Religion der Kelten, Pikten und Wikinger zu verdrängen. Der Priester im Dorf tritt sehr resolut auf, viele haben sich bekehren lassen, jedoch bleiben noch immer Teile des alten Glaubens. Es gibt sogar ein paar wenige, die sich gegen das Christentum wehren und noch die alten Götter anbeten.
  3. Jörg Nagler - Abraham LincolnLincoln war ein sehr gottesfürchtiger Mensch und konnte auswendig aus der Bibel zitieren. Zeit seines Lebens hat er sich an der Heiligen Schrift orientiert. Naglers Biographie zeigt Lincolns Lebenslauft vom jungen Burschen bis hin zum Präsidenten.
  4. Goethe - FaustDie wohl berühmteste Wette der Welt! Gott und der Teufel wetten um Fausts Seele und so macht sich Mephisto auf, Faust zu verführen. Wer wohl gewinnen wird? Eines meiner Lieblingsbücher, jedoch nur der erste Teil. Der zweite ist ziemlich abgedreht...
  5. Hermann Hesse - SiddharthaHesse erzählt die Geschichte des Siddhartha und wie er zum Buddha wurde. Leider kann ich mich kaum noch an etwas erinnern, bis auf die Szene am Fluss. Wäre wohl wieder Zeit, das Buch noch einmal zu lesen...
  6. Christopher Moore - Die Bibel nach BiffBiff ist Jesus' bester Freund und hat seine ganz eigene Sicht auf die Geschehnisse der Bibel. Moores Buch ist unorthodox, abgedreht und macht jede Menge Spass. Hier erlebt man Jesus als den Menschen, den er eigentlich auch sein sollte. Menschlich, nämlich.
  7. David Safier - Mieses KarmaIn Frage käme natürlich auch "Jesus liebt mich", aber mir hat das Karma besser gefallen. Die Wiedergeburt ist ein zentrales Thema der östlichen Religionen und hier müssen unsere Helden erfahren, dass sie jede Menge mieses Karma gesammelt haben. So müssen sie auf der Evolutionsleiter noch einmal ganz von vorne beginnen. Witzig, frech, unterhaltsam.
  8. Umberto Eco - Der Name der Rose Ein weiteres Lieblingsbuch und ein Herzstück meiner Bibliothek. Bücher und Wissen sind gefährlich, vor allem dann, wenn sie der Bibel widersprechen. Hier endet dieser Streit sogar tödlich...
11.03.2017 - Johnny Appleseed Day 

Am 11.03 (mancherorts auch am 26.09) feiert man in Teilen der USA den Johnny Appleseed Day. Den Namen Appleseed verdiente er sich dadurch, dass Johnny stets die bei der Kelterung anfallenden Apfelkerne verstreute. So wuchsten überall Johnnys Bäume. Der Legende nach begann Johnny nach dem Tod seiner Verlobten damit, als Missionar durchs Land zu wandern, immer mit einigen Apfelsamen in der Hosentasche. Johnny Appleseed trug durch seine Apfelbäume zur Verbreitung des einfach herzustellenden Apfelweines bei. Quelle Wikipedia
  1. Katharina Hagena - Der Geschmack von Apfelkernen
    Ein Ding zwischen Familien- und Liebesgeschichte. War ja so gar nicht meins....
  2. Eric Carle - Die kleine Raupe Nimmersatt
    Das dagegen umso mehr :) Die kleine Raupe futtert sich durch alle möglichen Sachen und beginnt natürlich beim Apfel. Spoiler: Am Ende wird aus der Raupe ein Schmetterling!
  3. Robert Shea und Robert Anton Wilson - Illuminatus 2: Der goldene Apfel
    Hier schummle ich ein wenig, denn ich habe das Buch erst angefangen. Aktuell weiss ich also noch gar nicht, was es mit dem goldenen Apfel auf sich hat. Aber das erklärt sich dann Ende Monat, da habe ich nämlich die Lektüre dieses Buches eingeplant.
  4. Gebrüder Grimm - Frau Holle
    Da ich Schneewittchen bereits auf dem Filmblog gelistet habe, kommt hier die kurze Stelle in "Frau Holle" zum Zuge. Denn dort steht ein Apfelbaum, der darum bittet, geschüttelt zu werden. Die Faule lässt es sein, während die Fleissige den Baum von seiner Last befreit.
  5. Goethe - Faust
    Goethes Faust kann man wohl zu jedem Thema auflisten. Auch hier kommt an einigen Stellen der Apfel, der natürlich ein starkes Symbol ist, zum Tragen. "Einst hatt ich einen schönen Traum; // Da sah ich einen Apfelbaum, // Zwei schöne Äpfel glänzten dran, // Sie reizten mich, ich stieg hinan." - Vers 4128 ff.
  6. Suzanne Collins - Die Tribute von Panem
    Hier erinnere ich mich an die Stelle während des Trainings, als Katniss einen Pfeil auf den Apfel im Schweinebraten schiesst. Eine meiner Lieblingsstellen.
  7. Jonas Jonasson - Die Analphabetin, die rechnen konnte
    Soweit ich mich erinnere, gibt es eine Szene, in der Nombeko und Holger auf der Atombombe hocken und Äpfel essen. Wobei ich mir im Moment nicht sicher bin, ob ich mich daran richtig erinnere. Auf jeden Fall hocken sie auf einer Atombombe :D
  8. Die Bibel
    Denn wo wären wir ohne Adam und Eva? ;)
Und Aesop meint dazu: Ein Granatapfelbaum und ein Apfelbaum stritten sich darüber, wer die meisten Früchte trage. Als aber der Streit schon voll ehntbrannt war, hörte dies ein Brombeerstrauch aus der Hecke ganz in der Nähe und sagte: »Ach, liebe Freunde, hören wir doch endlich auf zu streiten!«

Fallen euch noch weitere Bücher ein?

PS: Ja, ich weiss, "Wilhelm Tell" gehört auch in diese Liste. Aber den habe ich - oh Schande! - noch nicht gelesen! 

Dienstag, 7. März 2017

[Rezension] Kouchun Takami - Battle Royale

Rückentext:
Asien in der nahen Zukunft. Japan und China haben die Großrepublik Ostasien gegründet, einen totalitären Staat, in dem Furcht und Unterdrückung herrschen. Dazu gehört das Experiment »Battle Royale«, ein grausames Spiel, bei dem jedes Jahr Schulklassen ausgewählt und auf eine einsame Insel verschleppt werden, wo sich die Schüler gegenseitig bekämpfen, bis nur noch ein Überlebender übrig bleibt.

Der kontroverse Zukunftsthriller von Koushun Takami ist in Japan ein Millionenseller und liefert die Vorlage für viele Kinofilme, Comics und Mangas. 

Meine Meinung:
Nachdem ich "Die Tribute von Panem" nach dem zweiten Band frustriert abgebrochen hatte, stolperte ich irgendwann über eine Rezension zu Takamis "Battle Royale". Dies sei sozusagen die Vorlage für Panem gewesen, hiess es. Nur brutaler. Das klang schon eher nach einem Buch für mich. Mehr Blut, weniger Liebesdreieck. Nun kam ich endlich dazu, das Buch zu lesen.

Was mir am meisten gefiel, neben der ungeschönten Brutalität, war der soziopolitische und gesellschaftliche Hintergrund. Nach Lektüre von Iris Changs "The Rape of Nanking" ist mir bewusst, dass diese Szenario mit der Grossrepublik Ostasien gar nicht so weit hergeholt ist. Es gab Pläne Japans, China einzunehmen und die dargestellte ins Kommunistische tendierende Regime passt sehr gut zu den Verhältnissen Japans während des Zweiten Weltkrieges. Was Takami sich hier vorstellt, hätte also gut und gerne auch Realität werden können. Dass Takami als Journalist für einen Nachrichtendienst gearbeitet hat, lässt das ganze Szenario nur noch realer scheinen.

Nicht nur das unterscheidet die genannten Bücher voneinander (wobei mir der Aufkleber auf meiner Ausgabe von "Battle Ryale" etwas auf die Nerven geht, da dieser Titel älter ist als die Tribute und deshalb nicht dort weitermachen kann, wo Panem aufgehört hat, aber das ist Haarspalterei). Auch ist in Takamis Werk die Brutalität sehr viel höher geschaltet. Hier spritzt das Blut nur so, Eingeweide verteilen sich, Köpfe werden zu Matsch geschlagen...

Es kommen sehr viele Figuren vor, aber man sollte sich gar nicht erst zu sehr an sie gewöhnen. Die meisten überdauern keine zwei Seiten. Dennoch schafft es der Autor, uns die Charaktere auch auf diese kurze Distanz nahe zu bringen. Jeder Schüler hat eigene Motive, eine eigene Geschichte und einen persönlichen Hintergrund.

Dabei sind diese Kinder keine Sprösslinge aus gut behüteten Heimen (zumindest die wenigsten), sondern viele haben mit ihren zarten 15 Jahren bereits viel Dreckiges erlebt. Prostitution, Vergewaltigungen, Missbrauch... - viele von den unfreiwilligen Teilnehmern hatten gar keine Kindheit, sondern mussten sehr schnell erwachsen werden. Nur um dann in diesem Spiel zu enden...

Während des Lesens fragte ich mich oft, weshalb diese Spiele ausgetragen werden. Zukünftige Steuerzahler umbringen lassen? Wieso? Es gab eine Erklärung, aber die fand ich sehr fadenscheinig. Doch Takami hat sich auch hier seine Gedanken gemacht und mit der abschliessenden Erklärung, die auf den letzten Seiten offengelegt wird, eine glaubhafte Begründung abgeliefert, die hervorragend zum beschriebenen politischen System passt. Brutal, grausam und glaubhaft. 

Wie ihr seht hat mir persönlich "Battle Royale" sehr gut gefallen, ich war mittendrin im Geschehen und sowieso mag ich es, wenn es blutig zu und her geht. Wer das nicht mag, sollte somit auch "Battle Royale" nicht lesen.

Leider ist die Übersetzung wohl in allzu grosser Eile entstanden, denn, hier stimme ich mit den vielen anderen Rezensenten überein, grammatikalisch ist dieses Buch furchtbar. Ich weiss nicht, ob überhaupt irgendjemand die erste Fassung der Übersetzung gegengelesen hat - wahrscheinlich eher nicht. Zwar liest sich der Text sehr flüssig und ist vom Autoren auch gekonnt aufgebaut, aber die deutsche Grammatik lässt einen hier kopfschüttelnd zurück. Namen werden vertauscht, Wörter nicht zu Ende geschrieben, falsche Satzzeichen gesetzt etc. etc. Das ist für den Heyne Verlag äusserst peinlich und ich hoffe, dass in einer späteren Auflage (meine ist von 2006) diese Fehler behoben worden sind.

Doch davon sollte sich keiner abschrecken lassen, denn wenn man sein Gehirn bei der Sache hat, dann kommt man mit. Und wie man mitkommt!


Koushun Takami
Battle Royale
TB, 2006
Heyne

978-3-453-43721-0

Aus dem Japanischen von Akiko Altmann
Originalausgabe: Ota Shuppan, 1999

Montag, 6. März 2017

[Rezension] T.C. Boyle - Die Terranauten

Rückentext:
Was passiert, wenn man vier Männer und vier Frauen in ein riesiges Terrarium einspert? Wissenschaftler in Arizona unternehmen den Versuch, in einem geschlossenen Ökosystem das Leben nachzubilden. T.C. Boyles fabelhafter Roman, basierend auf einer wahren Geschichte, erzählt vom halsbrecherischen Versuch, eine neue Welt zu erschaffen, um sich vor dem Untergang unserer eigenen zu retten.

Meine Meinung:
Von T.C. Boyle hatte ich schon viel gehört, viel Gutes vor allem. Bisher war ich zwar immer neugierig auf diesen berühmten Autoren, aber es ergab sich nicht, dass ich etwas von ihm las. Bis zur Lovelybooks-Leserunde zu Boyles ersten Werk "Die Terranauten".

Gestartet bin ich voller Neugierde und Enthusiasmus. Der Schreibstil gefiel mir sofort, er ist angenehm weich, literarisch, aber nicht protzig. Man findet sich gleich zurecht und fühlt sich wohl darin. Leider ging die erste Begegnung zwischen mir und Boyle dann aber doch nicht sonderlich gut aus.

Die Geschichte wird uns aus drei Perspektiven erzählt: von Dawn, ihrer Freundin Linda und Ramsay. Dawn und Ramsay erzählen als Terranauten, sie befinden sich innerhalb von E2. Linda, die es kaum verschmerzen kann, dass Dawn und nicht sie für das Projekt ausgewählt wurde, fügt der Geschichte die Sichtweise von ausserhalb bei. 

Rasch stellt sich heraus, dass keine der auftretenden Figuren, egal ob Haupt- oder Nebencharakter, in irgendeiner Weise sympathisch sind. Grundsätzlich sind alle sehr egozentrisch. Das kann ich verschmerzen, denn ein Charakter muss mir nicht unbedingt sympathisch sein, damit ich die Geschichte geniessen kann.

Doch das Verhalten unserer "Helden" ging mir mit jedem Kapitel mehr auf die Nerven. Ich kam mir vor, wie auf dem Schulhof, wo ein paar pubertäre Jugendliche sich gegenseitig schubsen, weil jemand mal falsch geguckt hat. Mehr und mehr stellt sich heraus, dass es in diesem Buch hauptsächlich um eines geht: Sex. Wer vögelt mit wem und warum.

Kaum zeichnete sich dieses ab, rutschte meine Lesefreude etwas auf der Skala nach unten. Je länger dieses kindische, unprofessionelle Verhalten anging, desto mehr verlor ich die Lust am Lesen. Hier geht es und zu her wie in einer Soap. Wo ich Wissenschaft und Tiefe erwartet habe, finde ich einen schwanzgesteuerten Ramsay, eine egomanische Dawn und eine über alle Massen frustrierte und psychich labile Linda. Wobei letztere von allen Figuren noch die glaubhafteste und interessanteste ist.

Ein paar Mal ist das Wort "Charakterstudie" gefallen, was für mich aber auch nicht passt. Denn um solch eine Studie beschreiben zu können, muss man erst einmal Charaktere haben. Dies ist hier nicht der Fall. Die Figurenkonstellationen bleiben starr (Dawn entscheidet etwas - alle sind genervt - Dawn beschwert sich bei Linda - sie streiten - alle grummeln), keiner entwickelt sich in einer erwähnenswerten Art weiter und was hätte interessant werden können (Rangordnung, die in Frage gestellt wird, Gruppen, die sich bilden), passiert nicht.

Auch der wissenschaftliche Teil ist kleiner als ich gehofft hatte. Von einem Autoren mit dem Rang, den T.C. Boyle in Medien einnimmt, hätte ich eigentlich eine komplexe Betrachtung unserer Konsumgesellschaft erwartet. Zwar keine Lösung für unsere Probleme, aber dennoch ein leichtes Vor-Augen-Führen, dass es um unseren Planeten nicht zum Besten steht -warum sonst hätte man eine zweite Erde bauen sollen?-

Passiert nicht. Am Rande vielleicht. Aber E2 ist einfach nur ein hübscher Hintergrund, vor dem sich die bereits erwähnte Soap abspielt (mit allem Drum und Dran: geheimen Beziehungen, sexuellen Ausflüchten, Versprechen, die gebrochen werden...). Hätte ich gewusst, dass es in erster Linie darum geht - ich hätte die Hände davon gelassen.

Von der erhofften Intelligenz habe ich gar nichts gefunden. Nur der Schreibstil, der mir, wie eingangs erwähnt, sehr zugesagt hat. Ansonsten erweist sich "Die Terranauten" als absoluter Flop und wird deshalb gleich aussortiert. Trotz des schön aufgemachten Umschlags.


T.C. Boyle
Die Terranauten
HC mit Schutzumschlag, 2016
Hanser

978-3-446-25386-5

Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren
Originalausgabe: The Terranauts
Ecco, New York 2016

Sonntag, 5. März 2017

[Rezension] Iris Chang - The Rape of Nanking

Rückentext:
In December 1937, the Japanese army swept into the ancient city of Nanking. Within weeks, more than 300,000 Chinese civilians and soldiers were systematically raped, tortured, and murdered—a death toll exceeding that of the atomic blasts of Hiroshima and Nagasaki combined. Using extensive interviews with survivors and newly discovered documents, Iris Chang has written the definitive history of this horrifying episode.

Meine Meinung: 
Im Nachwort zu Mark Pilnys "Japan Inc." wurde auf Iris Chang und ihr wichtiges Werk hingewiesen, das auch im Buch selbst mehrmals erwähnt wurde. Auch die Arbeit, die Chang für die Aufklärung des Westens in Bezug auf Nanking gemacht hat, wird lobend erwähnt. Pilny legt seinen Lesern "The Rape of Nanking" sehr ans Herz, hat er doch im Vorfeld zu seinem eigenen Werk, dieses Buch gelesen. Da ich mich weiter, über den literarischen Zweck hinausgehend, über Nanking und die Geschehnisse von 1937 informieren wollte, bestellte ich mir umgehend Changs "The Rape of Nanking".

Dieses Buch lässt einen nicht kalt, es kann es gar nicht. All diese Gräueltaten sind genau das, was schon zahlreiche Menschen von Chang begriffen haben: Auschwitz in Asien. Doch während Deutschland zur Rechenschaft gezogen wurde, Reparationskosten übernommen und sich offziell entschuldigt hat, ist dies in Bezug auf Nanking noch immer ausstehend. Lange Zeit lang wurde das Massaker in Japan sogar verleugnet!

Genau deshalb braucht es dieses Buch. Genau deshalb ist es wichtig, dass es auch Leser ausserhalb Amerika und Asien findet. Wenn Chang die Berichte von Überlebenden wiedergibt, läuft es einem oft kalt den Rücken runter. Von Vergewaltigungen ist die Rede, Massenmord, Genozid. Morden als spassige Freizeitaktivität.

Doch macht Chang von Anfang an keine Schuldzuweisungen. Sie analysiert, wie es dazu gekommen ist, was geschehen ist und wie es nach dem Krieg weiterging. Aber an keiner Stelle holt sie den Zeigefinger raus und verteufelt die Japaner. Im Nachwort gibt Chang unmissverständlich zu verstehen, dass sie der Bevölkerung nichts vorwirft. Wenn man einen Schuldigen suchen will, kann man dies bei der damaligen Regierung tun.

Ich empfehle das Buch jedem, der sich tiefer für den Zweiten Weltkrieg interessiert, aber auch denjenigen, die nach der Schule eine gewisse Müdigkeit dem Thema gegenüber zeigen. So ging es mir nämlich auch, aber "The Rape of Nanking" hat mich genauso tief erschüttert, wie als mir meine Mutter damals zum ersten Mal vom Zweiten Weltkrieg erzählt hat.

Es ist ein wichtiges Buch, auch Jahre nach dem Tod der Autorin und es wird immer eines der wichtigsten Werke zum Thema Nanking sein. Ich hoffe sehr, dass die asiatischen Kriegsverbrechen irgendwann auch gesühnt werden und hoffentlich nie, nie in Vergessenheit geraten! Iris Chang hat ihren Beitrag dazu geleistet und wir alle können stolz auf sie sein!


Iris Chang
The Rape of Nanking
The Forgotten Holocause of World War II
TB, 1997
Perseus

978-0-465-066836-4